Cadrage 2017
Die Preisverleihung der Succés-Zürich-Gewinner, der Winterthurer und der Zürcher Filmpreise hat am 21. November 2017 in Zürich stattgefunden.
Im Rahmen der jährlichen Verleihung der Zürcher Filmpreise prämiert die Stadt Zürich 2017 fünf Filme: «Das Kongo Tribunal», «Die göttliche Ordnung», «Marija», «Rakijada – Distillated Village Tales» und «Usgrächnet Gähwilers». Der Winterthurer Kurzfilmpreis geht an «Fast alles». Und die Zürcher Filmstiftung belohnt die grössten Festival- und Kinoerfolge des letzten Jahres mit Succès-Prämien.
Mit der jährlichen Vergabe der Zürcher Filmpreise würdigt die Stadt Zürich mit einer Gesamtpreissumme von
CHF 100'000.- besondere Leistungen im Bereich des professionellen Film- und Videoschaffens mit künstlerischem Anspruch.
Im Frühjahr 2017 wurden im Kanton Zürich ansässige Autorinnen und Autoren sowie Produzentinnen und Produzenten eingeladen, ihre Filme einzureichen. Die Zürcher Filmkommission konnte in der Folge 32 Beiträge sichten und beurteilen.
Auf Antrag der Filmkommission zeichnet der Stadtrat fünf Filme aus:
- «Das Kongo Tribunal» von Milo Rau (Langfilm, Bernard Lang AG und Fruitmarket)
- «Die göttliche Ordnung» von Petra Volpe (Zodiac Pictures Ltd.)
- «Marija» von Michael Koch (Hugofilm Productions GmbH und Pandora Film Produktion)
- «Rakijada – Distillated Village Tales» von Nikola Ilić (HOOK Film & Kultur Produktion GmbH)
- «Usgrächnet Gähwilers» von Martin Guggisberg (Tipi'mages GmbH)
Beim Kurzfilmpreis der Stadt Winterthur stellte die Auswahl-Jury der 21. Internationalen Kurzfilmtage aus allen Teilnehmern des Schweizer Wettbewerbs der Kurzfilmtage eine Short-List mit drei Titeln zusammen. Die Wahl fiel schliesslich auf «Fast alles» von Lisa Gertsch.
2017 können Erfolgsprämien «Succès Zürich» von insgesamt CHF 635'000.- ausgerichtet werden. In der Kategorie Spielfilm erhalten zwei Filme Prämien: «Heidi» (Alain Gsponer) und «Der grosse Sommer» (Stefan Jäger). In der Kategorie Dokumentarfilm haben zwei Filme die Kriterien erfüllt: «Raving Iran» (Susanne Regina Meures) und «The Chinese Lives of Uli Sigg» (Michael Schindhelm). Als erfolgreichste Kurzfilme wurden «Bon Voyage» (Marc Wilkins), «La Femme et le TGV» (Timo von Gunten) sowie «Analysis Paralysis» (Anete Melece) ermittelt.
Alle Filmpreise und Auszeichnungen wurden anlässlich der «Cadrage 2017» am 21. November 2017 im X-TRA in Zürich verliehen. Während für die städtischen Preise je eine Jury aus der aktuellen Filmproduktion konzeptionell oder künstlerisch herausragende Arbeiten wählt, werden für «Succès Zürich» die erfolgreichsten Festival- und Kinofilme des vergangenen Jahres mittels eines Punktesystems ermittelt. Diese Gutschriften werden nicht ausbezahlt, sondern müssen in neue, eigene Projekte investiert werden.
Bon Voyage
Preis / Auszeichnung:
1. Platz Kurzfilm
Regie: Marc Wilkins
Drehbuch: Marc Wilkins

La Femme et le TGV
Preis / Auszeichnung:
2. Platz Kurzfilm
Regie: Timo von Guten
Drehbuch: Timo von Gunten

Analysis Paralysis
Preis / Auszeichnung:
3. Platz Kurzfilm
Regie: Anete Melece
Drehbuch: Anete Melece

Raving Iran
Preis / Auszeichnung:
1. Platz Dokumentarfilm
Regie: Susanne Regina Meures
Produktion: Christian Frei Filmproduktion GmbH
Drehbuch: Susanne Regina Meures

The Chinese Lives of Uli Sigg
Preis / Auszeichnung:
2. Platz Dokumentarfilm
Regie: Michael Schindhelm
Produktion: T&C Film AG
Drehbuch: Michael Schindhelm

Heidi
Preis / Auszeichnung:
1. Platz Spielfilm
Regie: Alain Gsponer
Produktion: Zodiac Pictures Ltd.
Drehbuch: Petra Volpe

Der grosse Sommer
Preis / Auszeichnung:
2. Platz Spielfilm
Regie: Stefan Jäger
Produktion: Tellfilm GmbH
Drehbuch: Theo Plakoudakis, Marco Salituro

Jury Begründung –
Ein Film, der uns mit seinem Wechselspiel zwischen Witz und Schönheit auf der einen und Tragik auf der anderen Seite auf feinfühlige Art und Weise die Geschichte von Entfremdung, Abschiednehmen, Fremdbestimmung wie auch von der Beständigkeit und Kraft der Liebe mit grosser Feinfühligkeit erzählt.
Der Winterthurer Kurzfilmpreis 2017 geht an Lisa Gertsch für ihren Film «Fast alles». Herzlichen Glückwunsch!
Fast alles
Preis / Auszeichnung:
Kurzfilmpreis Winterthur 2017
Regie: Lisa Gertsch
Produktion: Zürcher Hochschule der Künste ZHdK
Drehbuch: Lisa Gertsch

Jury Begründung –
Der Filmemacher adelt das Kino und macht das, was die Realität nicht kann. Indem er einen gesellschaftspolitischen Konflikt raffiniert und multimedial in Szene setzt, gelingt es ihm, ein sehr komplexes und brisantes Thema aus unterschiedlichen Winkeln zu beleuchten. In einem fiktiven zivilen Tribunal bringt er Opfer, Täter, Zeugen und Analytiker der wirtschaftlichen und kriegerischen Konflikte im Kongo auf dieselbe Bühne mit dem erklärten Ziel, der Bevölkerung nebst Genugtuung auch den Glauben an den Rechtsstaat zurückzugeben. Es ist Milo Rau hoch anzurechnen, dass er unter dem Godard’schen Motto «Nicht politische Filme machen, sondern Filme politisch machen» das Medium in den Dienst emanzipatorischer Anliegen stellt und es schafft, dort, wo die Justiz versagt, wirkungsvolle Veränderung mit den Mitteln des Films und des Theaters herbeizuführen.
Das Kongo Tribunal
Preis / Auszeichnung:
Zürcher Filmpreis 2017
Regie: Milo Rau
Produktion: Langfilm, Bernard Lang AG und Fruitmarket
Drehbuch: Milo Rau

Jury Begründung –
Mit feinem Humor versetzt uns «Die göttliche Ordnung» in eine Schweiz, die gar noch nicht so lang zurückliegt und für Frauen doch so dramatisch anders war. Die Regisseurin Petra Volpe verknüpft in ihrer Inszenierung, die auf augenscheinlich viel Recherche gründet, keck die Geschichte des Frauenstimmrechts in der Schweiz mit derjenigen der westlichen Frauenemanzipation. Neben Marie Leuenberger in der Hauptrolle brillieren auch die anderen Darstellerinnen und Darsteller, die charmant das dörfliche Ambiente zum Leben erwecken. Gleichzeitig lässt uns das Styling des Films mit viel Liebe zum Detail und einem Augenzwinkern «lustvoll» in jene Zeit eintauchen. «Die göttliche Ordnung» erzählt ein bedeutendes Stück Schweizer Geschichte nicht als trockene Schulstunde, sondern als gelebte Historie – unterhaltsam aufbereitet und geschmeidig inszeniert. Ein Film, der wunderbarerweise auch für ein breiteres und generationenübergreifendes Publikum funktioniert.
Die göttliche Ordnung
Preis / Auszeichnung:
Zürcher Filmpreis 2017
Regie: Petra Volpe
Produktion: Zodiac Pictures Ltd.
Drehbuch: Petra Volpe

Jury Begründung –
Im Zentrum des ersten Langspielfilms von Michael Koch steht die junge Ukrainerin Marija, die sich in einem Migrantenviertel Dortmunds als Putzfrau durchs Leben schlägt. Als sie am Arbeitsplatz beim Stehlen erwischt wird, ihren Job verliert und ihre Miete nicht mehr bezahlen kann, droht der Abstieg nach ganz unten, gegen den sich Marija jedoch mit allen Mitteln wehrt. Kochs Charakterstudie besticht durch seinen quasidokumentarischen Inszenierungsstil, die präzise Milieuschilderung sowie die eindringliche Performance der Schauspieler, allen voran der Hauptdarstellerin Margarita Breitkreiz. Hinzu kommt, dass sich der Film moralischer Urteile konsequent enthält und dadurch eine Ambivalenz in der Figurenzeichnung aufweist, die nur wenige Sozialdramen erreichen. Fern jeder Sentimentalität zeigt uns «Marija» eine starke Frauenfigur, die sich im männerdominierten Schwarzarbeitermilieu durchsetzt und sich so zumindest ein kleines Stück Unabhängigkeit erkämpft.
Marija
Preis / Auszeichnung:
Zürcher Filmpreis 2017
Regie: Michael Koch
Produktion: Hugofilm Productions GmbH und Pandora Film Produktion

Jury Begründung –
Diese Kurzdokumentation wirft mit spielerischer Stilisierung einen Blick in eine entlegene und ziemlich trostlose Gegend Serbiens. Die Leute sind arbeitslos – oder fast –, und dennoch begegnen sie ihrem doch ziemlich perspektivlosen Leben mit viel Selbstironie. Gekonnt wird im Film eine Parallele zum abtrünnigen Dorf von Asterix und seinen Galliern hergestellt. Die portraitierten DorfbewohnerInnen und Sonderlinge werden liebevoll beobachtet. Die Rakijada, ein Volksfest zur Krönung des trinkfestesten Einwohners des Dorfes, ist das Highlight des Jahres. Doch wie es der Jäger auf seiner nächtlichen Heimfahrt so schön sagt: Eine Siegesfeier gibt es nie, denn derjenige, der gewinnt, muss jeweils bewusstlos nach Hause getragen werden. «Rakijada» ist ein tragikomisches Sittenbild einer von der Welt vergessenen Gegend, die versucht, sich alleine durchzuschlagen.
Rakijada - Distillated Village Tales
Preis / Auszeichnung:
Zürcher Filmpreis 2017
Regie: Nikola Ilić
Produktion: HOOK Film & Kultur Produktion GmbH
Drehbuch: Nikola Ilić

Jury Begründung –
Martin Guggisberg ist eine Sittenkomödie gelungen, die ein schweres Thema leicht verhandelt. Mit satirischem Biss entlarvt der Regisseur den Neokolonialismus in der Schweiz und entstellt durch karikaturhafte Überzeichnung die «Füdlibürger» und ihren verlogenen Umgang mit den Fremden. Guggisberg wagt, was im Schweizer Film-schaffen selten ist: Ironie und schwarzen Humor. Er beweist ein Flair für Situationskomik und gutes dramaturgisches Timing.





































































